Anforderungsprofil

DBV / VDZ Merkblatt Sichtbeton

Das DBV / VDZ Merkblatt Sichtbeton bildet eine gute Grundlage zur Thematik Sichtbeton. Ich empfehle jedoch, die Erwartung der Sichtbetonflächen nicht gemäß DBV-Merkblatt „Sichtbeton“ und die darin enthaltenen Sichtbetonklassen zu vereinbaren, sondern das DBV-Merkblatt als Grundlage/„Checkliste“ zu nutzen und Sichtbeton eigenständig zu definieren, d. h. die Erwartung der Sichtbetonflächen sollte sinngemäß nachfolgender Tabelle 3.14 (Sichtbeton Anforderungen „Anforderungsprofil“) definiert werden zwischen Architekten-Planer und dem Bauherren. Die Hinweise in Spalte 3 der Tabelle 3.14 sind gemeinsam festzulegen. über die Beratung des Planers ist ein Protokoll zu erstellen, das Auftraggeber und Planer (als ge-meinsame Beschaffenheitsvereinbarung) zu unterschreiben haben. Die entsprechenden Anforderungen an Planung und Ausführung ist der Tabelle 3.15 (Kapitel 3.1.1.6 Handbuch Sichtbeton) zu entnehmen.
Begriffsdefinitionen, siehe Sichtbeton Glossar (Kapitel 10), u. a.:
„vereinbaren“:d. h., zwei oder mehrere Personen beschließen, etwas Bestimmtes zu tun
„empfehlen“:d. h., jemandem eine Sache nennen, die für einen bestimmten Zweck geeignet ist
„vorsehen“:d. h., planen, beabsichtigen
„gleichmäßig“: d. h., in gleichen Teilen, Aufteilung, regelmäßig, stetig
„ca.“ist die Abkürzung für: circa (zirka), lateinisch für: „ungefähr“, „annähernd“, d. h. geringfügige überschreitungen sind im Einzelfall zulässig
Sichtbeton Schutzmaßnahmen
Sichtbeton Schutzmaßnahmen
Sichtbeton Ergebnis
Sichtbeton Ergebnis

Sichtbetonflächen mit besonders hohen gestalterischen Anforderungen

Tabelle 3.14

Kriterium Sichtbeton Anforderungen:
Anforderungsprofil / Beschaffenheitsvereinbarung
Hinweis
1 2 3
Textur, d. h.
Oberflächen-
beschaffenheit
- glatte, geschlossene und weitgehend einheitliche Betonfläche
- in den Schalelementstößen ausgetretener Zementleim/
Feinmörtel, Breite bis ca. 3 mm
zulässig
- feine, technisch unvermeidbare Grate bis ca. 3 mm zulässig
- weitere Anforderungen (z. B. an Ankerausbildung, Schalungsstöße,
Konenverschlüsse) sind detailliert
festzulegen
Textur, d. h.
Oberflächen-
beschaffenheit
Textur, d. h. Oberflächenbeschaffenheit Beispielfoto Mittels Prinzip-skizzen ist vom Planer das Kriterium eindeutig zu erklären
Porigkeit
- saugende Schalhaut: max. Porenanteil in mm²
(ca. 0,3 % der Prüffläche)
ca. 750
- nicht saugende Schalhaut max. Porenanteil in mm²
(ca. 0,6 % der Prüffläche)
ca. 1500
Porigkeit Porigkeit Beispielfoto
Farbton-
Gleichmäßigkeit
saugende Schalhaut:
- gleichmäßige, großflächige Hell-/Dunkelverfärbungen in der
Flächenfärbung sind
zulässig
- Schmutzflecken sind unzulässig
- Unterschiedliche Arten und Vorbehandlung der Schalungshaut sowie Beton ausgangsstoffe verschiedener Art und Herkunft sind unzulässig
Farbton-
Gleichmäßigkeit
saugende Schalhaut:
Saugende Schalhaut Beispielfoto
Farbton-
Gleichmäßigkeit
nicht saugende Schalhaut:

- geringe Hell- Dunkelverfärbungen, z. B. leichte Wolkenbildung,

geringe Farbtonabweichungen sind
zulässig
- Schmutzflecken, deutlich sichtbare Schüttlagen sowie Verfärbungen,
verursacht durch die Nichteinhaltung der Vorgaben
unzulässig
großflächige Verfärbungen, verursacht z. B. durch Ausgangsstoffe verschiedener Art und Herkunft, unterschiedliche Art und
orbehandlung der Schalungshaut und
ungeeignete Nachbehandlung des Betons sind
unzulässig
Farbton-
Gleichmäßigkeit
nicht saugende Schalhaut:
Nicht saugende Schalhaut Beispielfoto
Ebenheit - gemäß DIN 18202, Tabelle 3, Zeile 6: Flächenfertige Wände und Decken: 5 mm/1 m festzulegen
Höhere Anforderungen sind gesondert zu vereinbaren;
dafür erforderliche Aufwendungen und Maßnahmen
sind vom AG detailliert
festzulegen

Höhere Ebenheitsanforderungen, z. B. nach
DIN 18202, Tab. 3, Zeile 7, (3 mm/1 m)
sind technisch nicht zielsicher erfüllbar.

Siehe Kap. 2.5

Ebenheit Ebenheit Beispielfoto Mittels Prinzip-skizzen ist vom Planer das Kriterium eindeutig zu erklären.
Arbeitsfugen und Schalungsstöße

- Planung der Detailausführung

erforderlich

- Versatz der Flächen im Fugen- bzw. Stoßbereich bis ca. 3 mm

zulässig
- Feinmörtelaustritt auf dem vorhergehenden Betonier-

abschnitt sollte rechtzeitig entfernt werden.

- Weitere Anforderungen (z. B. Ausbildung von Arbeitsfugen und

Schalungsstöße) sind detailliert

festzulegen
Arbeitsfugen und Schalungsstöße Arbeitsfugen und Schalungsstöße




Schalungshautklassen

1) Bohrlöcher als Reparaturstellen

nicht zulässig

2) Nagel-und Schraublöcher, ohne Absplitterungen

nicht zulässig

3) Beschädigungen der Schalhaut durch Innenrüttler

nicht zulässig

4) Kratzer als Reparaturstellen

nicht zulässig

5) Beton- oder Mörtelreste

nicht zulässig

6) Zementschleier

nicht zulässig

7) Aufquellen der Schalungshaut in Schraub- bzw. Nagel-

bereichen oder Welligkeiten an Kantenflächen („Ripplings“)

nicht zulässig
Betonkosmetik
in Teilflächen < 10 % der Gesamtfläche, nur nach Abstimmung mit dem Auftraggeber.
Wird die Fläche der Betonkosmetik > 10%
wird eine Preisminderung vom AG in Ansatz gebracht,
die vom Sichtbeton-Sachverständigen ermittelt wird.
zulässig
Betonkosmetik Betonkosmetik Beispielfoto
Risse Gewählte, zulässige Rissbreite w= 0,15 mm,
als Vorgabe für die Tragwerksplanung
( Nachweis der Rissbreitenbeschränkung)
unvermeidlich