Sichtbeton Abweichungen

Auszug aus Handbuch Sichtbeton

3.1.1.2 Herstellungstechnische Grenzen

Im DBV/VDZ-Merkblatt „Sichtbeton“ [2.1.1] sind Einschränkungen der zu erwartenden Sichtbetonquali-tät formuliert als:
  • „technisch nicht oder nicht zielsicher herstellbare Anforderungen“ oder
  • „eingeschränkt vermeidbare Abweichungen“ (siehe Tabelle 3.16)
Ist das Merkblatt Grundlage der Planung und Ausschreibung, werden „Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten“ festgeschrieben, d. h. alle Unregelmäßigkeiten sind (gem. DBV/VDZ-Merkblatt „Sichtbeton“) hinzunehmen!
Siehe daher meine Empfehlungen im Kapitel 3.1.1.1.5

Der Sichtbeton-Planer, i.d.R. der Architekt, muss explizit auf diese „Einschränkungen“ im DBV/VDZ-Merkblatt hinweisen, da der Bauherr diese im Normalfall nicht kennt.

Besonders hohe Anforderungen an hochwertige Sichtbetonflächen müssen „mit Worten geplant“, d. h. es müssen umfangreiche zusätzliche technische Vorbemerkungen zum Sichtbeton vertraglich vereinbart werden.
Andernfalls sind Enttäuschungen seitens des Bauherrn vorprogrammiert!

Betonkosmetik: Sichtbetonklasse SB4
Bild 3.5: Betonkosmetik: Sichtbetonklasse SB4

Tabelle-Nr. 3.16: Herstellungstechnische Sichtbeton-Grenzen (Ortbeton) gemäß

DBV/VDZ-Merkblatt „Sichtbeton“ Abs. 5.1.2 „Ausführbarkeit“ [2.1.1]

Stichwort

Technisch nicht oder nicht zielsicher herstellbare

Anforderungen

Eingeschränkt

Vermeidbare

Abweichungen

Vermeidbare

Abweichung

1

„Farbtönung“

Farbton

Gleichmäßiger Farbton aller Ansichtsflächen

Farbton- und Texturgleichheit im Bereich von Schalungsstößen

Wolkenbildung + Marmorierungen,

leichte Farbunterschiede zwischen aufeinander

folgenden Schüttlagen

Farb- und Texturunterschiede durch unsachgemäß gelagerte

Schalung

Unterschiedliche Oberflächenqualitäten (Farbton/Textur) durch unsachgemäß gelagerte Schalung

2

„Poren“

Lunker

Gleichmäßige

Porenstruktur

(Porengröße +

-verteilung)

Porenfreie Ansichtsflächen

Porenanhäufung im oberen Teil vertikaler Bauteile

3

„Ausblutungen“

„Kanten-abbrüche“

ungefaste, scharfe Kanten ohne kleinere Abbrüche und

Ausblutungen

Geringe Ausblutungen an Stößen zwischen Schalbrettern bzw. -elementen,

Ankerlöchern u. ä.

Starke Ausblutungen an Schalbrett- und Schalelementstößen sowie an Bauteilanschlüssen und Ankerlöchern

4

„Rostspuren“

Rostspuren an

Untersichten von horizontalen Bauteilen

Einzelne Kalk- und Rostfahnen an vertikalen Bauteilen

Häufung von Rostfahnen an vertikalen Bauteilen

sowie Rostspuren durch zurückgelassene Bewehrungsreste an den Untersichten horizontaler Bauteile

5

„Kiesnester“

Schüttlagen

Fehler beim Einbringen und Verdichten (z. B. Kiesnester,

starke sichtbare Schüttlagen)

6

„Mörtelreste“,

„Nasen“

Herunter laufende

Mörtelreste („Nasen“)

durch undichte Arbeitsfugen an vertikalen Bauteilen


7

„Schalungs-anker“

Ankerlöcher

Willkürliche, ungeordnete Anordnung von Schalungsankern, unsauberer oder unterschiedlicher Verschluss von Ankerlöcher, falls gefordert

8

Versätze

Schalhautstöße

Versätze > 10 mm

zwischen Schalelementstößen und an Bauteilanschlüssen

9

„Ausblühung“

Ausblühungsfreie Ansichtsflächen von Ortbetonbauteilen

10

Abzeichnung der Bewehrung

Abzeichnung der Bewehrung oder des Grobkorns

11

Schlepp-wassereffekt

Schleppwassereffekt in geringerer Anzahl und Ausdehnung

Stark ausgeprägte Schleppwassereffekte

Hinweis:

Zulässige Sichtbeton-Ebenheitsabweichungen („Toleranzen“) siehe Kapitel 2.5


Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?
Bild 3.6: Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?

Bild 3.6: Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?

Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?
Bild 3.7: Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?

Bild 3.7: Sichtbetonklasse SB4 erfüllt?


Tabelle-Nr. 3.17: Anforderungen an die Ausführung

Stichwort

DBV/VDZ-Merkblatt „Sichtbeton“ 2015

Anmerkungen

scharfe, spitzwinklige Kanten:

Abplatzungen

Abs.5.1.3 Bautechn. Grundsätze:

„Bei der Planung und Ausschreibung von spitzwinklig zulaufenden Wänden, scharfen Ecken, Kanten u. a. ist zu beachten, dass trotz größter Sorgfalt bei der Festlegung des Ausschalzeitpunkts und beim Ausschalen Kanten abbrechen können“.

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Abzeichnung von

Befestigungsmittel,

z. B. Nagel-, Schraubköpfe

Abs. 5.1.4.3 Trägerschalung: (b)

„Auf der Sichrbetonfläche zeichnen sich in diesem Fall die Befestigungsmittel ab.“ [Die Schalhaut wird i.d.R. auf die Trägerlage aufgeschraubt bzw. genagelt.]

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Undichte Schalhaut bzw.

Schalungsstöße,

z. B. Arbeitsfugen,

Türleibungen

Abs. 6.1 Schalung: (6)

„Abdichtungen (Silikon oder komprimierbare, geschlossenzellige Fugeneinlagen) können die Dichtheit der Schalhaut- bzw. Schalungsstöße erhöhen.“ (auch bei Arbeitsfugen)

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Abstandhalter

störend abzeichnen

Abs. 6.2 Bewehrung + Einbauteile:

Da Abstandhalter sich in weiche Schalungshaut eindrücken oder in Bauteiloberflächen (insbesondere in Bauteiluntersichten) störend abzeichnen können, sollten Abstandhalter zumindest ab SB 2 erprobt werden.

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Rostverfärbungen an

Wänden, Stützen

Abs. 6.4 Bauausführung: (8)

„Die vertikalen Sichtbetonflächen sind vor Rostverschmutzungen, z. B. durch Witterungsschutz der Anschlussbewehrung, zu schützen.“

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Decken-Wand-Ixel:

„Arbeitsfuge“

„Betonnase“ auslaufender Zementleim

Abs. 6.4 Bauausführung: (4)

„Vermeidung der Verschmutzung der Sichtbetonfläche durch auslaufenden Zementleim oder –mörtel („Betonnasen“) bei nachfolgenden Betoniervorgängen. Aufgetretene Verschmutzungen sind im frischen Zustand mit Wasser zu entfernen.“

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

Abzeichnung von

z. B. Kanthölzern auf der Deckenunterseite

Abs. 6.4 Bauausführung: (5)

„Bei der Nachbehandlung durch Abdecken mit Folie dürfen sich keine Hilfsmittel wie Kanthölzer etc. auf den Flächen abzeichnen.“

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich

„sichtbare“

Abstandhalter

Abs. 6.2: Bewehrung + Einbauteile (1)

„Die Auflagerungspunkte und -flächen der Abstandhalter sind im Allgemeinen an der Betonoberfläche erkennbar.

Ein Probeeinsatz zur Vorlage und Abstimmung mit dem AG wird empfohlen.“

Auch das DBV-Merkblatt „Abstandhalter“ [2.1.6] weist darauf hin, dass „die Auflagerungspunkte und –flächen der Abstandhalter im Allgemeinen an der Betonoberfläche erkennbar“ bleiben.

Ein sich Abzeichnen der Abstandhalter in der Sichtfläche kann durch besondere Maßnahmen verhindert werden, z. B. „Aufhängung“ der Bewehrung. Dies muss jedoch vereinbart werden (Kosten)!

Eine Planung u. a. über die Lage, Anordnung, Form der Abstandhalter ist erforderlich.

Rostverfärbungen an Deckenuntersichten

Abs. 6.2 Bewehrung: (4)

„Bei längeren Standzeiten besteht bei horizontalen Bauteilen die Gefahr, dass Rostpartikel vom Bewehrungsstahl auf die Schalung fallen und nicht entfernt werden können.“

ggf. Bedenkenanmeldung

erforderlich